Noch im Jahr 1960 gehörte Südkorea zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt. Der Koreakrieg hatte Millionen Koreaner das Leben gekostet; das Land hielt sich nur noch mithilfe von UN-Hilfslieferungen mühsam auf den Beinen.

Heute nimmt das ehemalige Agrarland jedoch Platz 12 im Weltwirtschaftsrang ein; Südkoreas Hauptstadt Seoul hat sogar die viertgrößte Wirtschaftsleistung weltweit.

Doch wie kam es überhaupt zu einer derart rasanten Wirtschaftsentwicklung?

Um die Frage beantworten zu können, sollten wir die damalige Situation etwas genauer betrachten:

Nach der 35-jährigen Kolonialherrschaft Japans über Korea wurde der nördliche Teil der koreanischen Halbinsel von sowjetischen Truppen besetzt, der Süden wurde zum Interessengebiet der USA. Es entstanden zwei Staaten: Nord- und Südkorea.

1950, einige Jahre nach der Teilung und nach gegenseitigen Grenzübertretungen beider Staaten überschritt die nordkoreanische Armee, unterstützt durch Panzer und die Luftwaffe, die Grenze nach Südkorea. Ein dreijähriger Krieg, auch „Bruderkrieg“ genannt, wurde entfacht, der letzten Endes mit einem Waffenstillstand endete; Frieden wurde bis heute offiziell nicht geschlossen.

In den darauffolgenden Jahren sah die Lage in Südkorea nicht gut aus: Ein großer Teil von Südkoreas wichtigsten Städten und die wenigen Fabriken, die es gab, waren zerstört worden, die Infrastruktur lag in Schutt und Asche und es gab Millionen Tote zu beklagen. Gleichzeitig strömten Flüchtlinge aus dem kommunistischen Nordkorea in das Land und es gab einen Mangel an Ressourcen, da Südkorea keine großen Bodenschätze hatte.

Eine Verbesserung der Lage war nicht in Sicht.

Die Unruhen innerhalb des Landes verstärkten sich, und schließlich putschte sich das südkoreanische Militär an die Macht. Es wurde mit harter Hand regiert, aber trotzdem ging es mit der Wirtschaft bergauf. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und Südkorea wurden mit einem Vertrag normalisiert und Fünf-Jahres-Pläne wurden zur Hilfe für die Wirtschaft eingeführt. Dabei wurde auf niedrige Löhne und auf gut ausgebildete Arbeiter gesetzt, und ab Mitte der 60er Jahre erhielten wenige vom Staat ausgewählte Familienunternehmen eine staatliche Sonderförderung. Die Unternehmen, Chaebol genannt, wurden zu Großkonzernen. Durch die Sonderförderung konnten sie schnell weltweit expandieren und sich zu Großkonzernen von Weltrang entwickeln, was die südkoreanische Wirtschaft stark aufbaute.

Besonders wichtig für die Entwicklung Südkoreas war und ist aber auch der Bildungswille in der südkoreanischen Bevölkerung. Bildung und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, auch auf technologischer Ebene, nimmt einen hohen Stellenwert in der südkoreanischen Gesellschaft ein, und es lag auch an diesem Streben nach Verbesserung, dass Südkorea sich in diesem Maße entwickelte. 

Heute gehört das Land zu den Tigerstaaten Asiens. Der Name ist angelehnt an die Energie eines Tigers, wenn er zum Sprung ansetzt. Er ist ein Hinweis auf die Stärke des Wirtschaftsaufschwungs in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Geht man durch die Straßen von Südkoreas Hauptstadt Seoul, sieht man von Glas überzogene Wolkenkratzer und moderne  Einkaufszentren , aber auch große Grünflächen mit traditionellen Häusern und Tempeln. Es gibt keine Spur mehr von den Ereignissen im Krieg, die zur neunzigprozentigen Zerstörung Seouls führten, keine Spur von dem früheren Einmarschieren nordkoreanischer Truppen in die Großstadt.

Wie man sieht, hat sich Südkorea also in weniger als einer Generation stark verändert.

Aus einem von einem Krieg nahezu zerstörten Land ist ein modernes Land mit einer der bedeutendsten Volkswirtschaften der Welt geworden, und das ist eine beachtliche Leistung.

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